09/2018 Christoph Nollau (Dresden/Sachsen)

Wer von euch erinnert sich noch an das Laufprojekt 5.42?

Elf Jahre ist das inzwischen her! Anlässlich des 10. OEM sollten 15 Läuferinnen und Läufer die Chance bekommen, sich gemeinsam den Traum vom Marathon zu erfüllen. Dabei wurden sie von keinen geringeren als Holm Große (Duathlon-Weltmeister 2001, Duathlon-Vizeweltmeister 2006) und Ralph Koritz (mehrfacher Sieger des Rennsteiglaufes sowie Gewinner des 1. OEM/Bestzeit: 2:25 Std.), professionell begleitet und trainingstechnisch betreut.

Einer der 15 Teilnehmer am Laufprojekt war Christoph Nollau. Er ist der einzige, der seither bei jedem OEM an der Startlinie stand und erinnert sich noch genau!

Viel Spaß mit einer neuen Ausgabe der „Menschen des OEM“.

1. Herr Nollau, seit Jahren laufen Sie OEM. Wie fühlt sich das an?

Im April diese Jahres bin ich meinen 12. OEM gelaufen. Auf meine Finisher-Medaillensammlung und den Ehrenpokal zum 10. OEM bin ich schon ein bisschen stolz. Obwohl ich die Strecke nun wahrscheinlich mit verbunden Auge laufen könnte, ist es doch im wieder spannend und schön ins Ziel zu kommen. Schon bei der Zugfahrt nach Königstein, wenn man den Elbradweg aus dem Fenster sieht, steigt langsam die Anspannung. Ich bin immer sehr zeitig am Start und genieße die morgendliche Atmosphäre. Wenn dann die Startschüsse knallen, heißt es ruhig bleiben, seinen Rhythmus finden und vorsichtig in seinen Körper hinein hören. Im Kopf zerlege ich mir die Strecke in kleine Etappen und versuche immer nur bis zum nächsten Meilenstein zu denken. Die Stimmung an der Strecke, die freundlichen, aufmunternden Zuschauer, Kinder, die einem die Hand zum „give me five“ reichen und natürlich die Trommler am Wegesrand helfen über die unvermeidlichen Krisen hinweg. Kurz nach Kilometer 29 laufe ich an meinem Haus am Kleinzschachwitzer Ufer vorbei, wo meine Familie wartet. Mein Sohn fährt dann mit dem Fahrrad voraus erwartet mich wie immer in Tolkewitz, an der Waldschlösschenbrücke und am Zieleinlauf. Spätestens wenn ich dann die Tartanbahn des Steyer-Stadions unter den Füßen habe, ist alles gut. Die gute Stimmung im Ziel und die Glücksgefühle sind jedesmal unglaublich, dass möchte ich noch oft erleben

2. War das Laufprojekt 5.42 für Sie der Einstieg ins Laufen? Erzählen Sie uns davon!

Ich habe schon vor dem Laufprojekt viel Sport getrieben, bin viel Fahrrad gefahren und habe mit Kollegen Fußball gespielt. Einmal habe ich ziemlich abgekämpfte Läufer beim OEM bei uns vor dem Haus gesehen und ich habe wohl im Unterbewusstsein Lust auf dieses Abenteuer bekommen. Eines Abends habe ich am Computer die Anzeige für das Laufprojekt entdeckt und mich angemeldet. Beim kurzen Schaulaufen zum Casting für die späteren Läufer des 5.42 Projekts, tat mir mein Unterschenkel weh, ich dachte: „Das müssen die doch merken“. Ich war dann ziemlich froh unter den 17 Läufern von 150 Bewerbern zu sein.

3. Was hat sich seit Ihrem ersten OEM verändert?

Das Lauffieber hat mich seit dem ersten OEM nicht mehr losgelassen. Ich bin schon fast alle Läufe in Dresden und Umgebung einmal gelaufen. Der Borsberglauf, der Wilischlauf, der Blüthenfestlauf und Rund um den Wolfshügel standen schon oft auf dem Programm. Den Brockenmarathon und den Dreitalsperrenmarathon im Erzgebirge mit jeweils einigen Höhenmetern habe ich auch schon geschafft. Mit meinem Lauffreund Reinhard, ebenso Teilnehmer des 5.42 Projekts, war ich 2013 beim Jungfrau Marathon in der Schweiz und 2016 beim New York Marathon. Einmal muss man als Marathonläufer nach New York, das ist einfach unglaublich schön. Am Tag nach dem Marathon stehen alle Läufer, die es unter fünf Stunden geschafft haben in der New York Times. Ich habe es immerhin auf die erste Doppelseite, rechts unten geschafft. Die gute Laune aus New York habe ich dann gleich mitgenommen und mich für den Rennsteiglauf angemeldet. Im vergangenen Jahr habe ich dann den Rennsteiglauf Supermarathon würdig ins Ziel gebracht.

4. Was ist Ihre ganz persönliche Motivation zum Laufen/Trainieren?

Laufen gehört jetzt einfach immer dazu. Ich bin sehr froh, dass ich bisher fast ohne Verletzungen ausgekommen bin und mein Körper nun in der AK 50 immer noch mitspielt. Laufen ist wunderbar einfach. Shirt, Hose und Laufschuhe passen in jede Reisetasche, frische Luft, Wind und Wetter gibt es umsonst, schöne Laufwege fast überall.

5. Gibt es ein persönliches Highlight oder eine spezielle Anekdote, an die Sie stets gern zurückdenken?

Beim meinem ersten OEM, bei dem der MDR für das 5.42 Projekt filmte, standen wir am Start neben dem 3,30 Std. Zeitläufer, Er meinte süffisant: “Na, wie fühlt es sich an vor laufender Kamera zu scheitern“. Es sind aber alle zwölf 5.42 Starter wohlbehalten ins Ziel gekommen. Im Kurzbeitrag des MDR im Sachsenspiegel am Abend nach dem Lauf sagte der Reporter dann: “Einer kannte heute keine Schmerzen, Christoph Nollau kam nach 3.30 Stunden ins Ziel“. Das ging runter wie Öl, obwohl es unterwegs ordentlich wehgetan hatte.

6. Was macht den OEM für Sie aus?

Der OEM ist mein persönliches Heimspiel. Der Lauf ist jedes Jahr liebevoll und perfekt organisiert, vielen Dank an Uwe Sonntag und sein Team. Wenn ich mal nicht selbst Laufen kann, helfe ich bei einem Getränkestand mit. Ich hoffe aber, dass ich bis dahin noch sehr oft den OEM laufen kann.